Zwischen Sundasee & Polynesien Teil 2

Zwischen Sundasee & Polynesien Teil 2

Misool Island

Angeblich um 02.42 Uhr erreichten wir unser erstes Ziel in Raja Ampat – was so viel wie das Gebiet der vier Königreiche bedeutet – die Insel Misool. Unsere Mitreisenden wurden vom fieren der Ankerkette aufgeschreckt, wir  wieder einmal nur vom viel zu früh klingelnden Wecker um 06.45 Uhr. Dass wir keinen Sonnenaufgang miterleben würden, war mittlerweile  ein „running gag“ auf der Ombak Putih, dass die Anderen bislang nicht ein einziges Mal die Sonne zum Sonnenaufgang sehen konnten, war die Antwort der Götter darauf.

Gegen 8.00 Uhr mahnte die Schiffsglocke zum Aufbruch und mit den Beibooten der Ombak Putih fuhren wir zu vier unscheinbaren, spärlich bewachsenen Felsinseln aus pechschwarzem Granitfels. An der Einfahrt stockte uns dann zum ersten Mal der Atem und das trotz fehlendem Sonnenschein und wolkenverhangenem Himmel. Vor uns tat sich eine Lagune auf, die jedes Paradiesklischee sogar unter diesen Wetterbedingungen bediente. Eine riesige, tropische Badewanne mit drei Eingängen, 28 Grad warmes Wasser, schneeweißer, feiner Sand im seichten Wasser, in dem sich tausende bunte Korallenfische und einige Stachelrochen tummelten und Papageien und Eisvögel ihren lautstarken Kommentar beisteuerten. Dazu ein kleiner, versteckter Traumstrand, der auch den letzten emotionalen Eisberg zum schmelzen brachte. Das war die Kulisse, von der aus wir auf Erkundung der Unterwasserwelt gingen. Diese war nicht minder dramatisch und atemberaubend. Farbenprächtige Unterwassergärten und steil abfallende Riffhänge und dazu ein Artenreichtum an Fischen, Schnecken, Farnen und und und . . .

Zurück an Bord wurde dann auch ziemlich schnell der Anker aufgeholt, denn wir hatten es zeitlich mit der Erkundung etwas übertrieben. Aber warum diese Eile? Was sollte denn noch kommen, was dieses Erlebnis toppen kann? Zwei Fragen, die  nach gut 2 Stunden beantwortet waren. Die Ombak Putih fuhr durch die faszinierende Felsenwelt der südlichsten, der Hauptinseln von Raja Ampat. In der Mittagssonne tauchte dann ein Bajo Dorf, traditionell auf Stelzen im Wasser gebaut, am Horizont auf. Pittoresk am Fuße eines der abertausenden Kalksteinfelsen gebaut schien es das Ziel des Tages zu sein, zumal auch seine Umgebung mit palmengesäumten Stränden und dicht bewachsenen Mini Inseln sowie einer geschützten Ankerbucht perfekt für einen Aufenthalt schien. Aber wir dampften einfach vorbei und warfen ca. 30 Minuten später vor einer Kulisse Anker, die nicht aufregender war, als das, woran wir bisher vorbeigefahren waren.

Wir ließen uns also überraschen, als die Beiboote der Ombak Putih mit uns ablegten und wir auf die grün-schwarze Felsenwand zuhielten. Nach einigen Minuten Fahrt öffnete sich vor uns eine Welt, wie aus einer anderen Zeit, wie von einem anderen Stern, wie von einem Künstler als das Paradies arrangierte Lebenswerk.

Nennen wir sie „Mushroom Bay“, denn unter der abertausenden Felsformationen ließen die kleinen, von Wind und Salzwasser zu übergroßen Pilzen geformten Vulkan- und Kalksteinfelsen unsere Münder am meisten offen stehen. Dazu das smaragdgrüne Flachwasser, die schier unglaubliche Pflanzenwelt an den schroffen und steilen Felswänden, angefangen von ziemlich cleveren Pitcher Plants (Kannenpflanzen), über wilde Orchideen bis hin zu Palmen, die scheinbar aus Felsspitzen zu wachsen schienen.

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Weitestgehend unbekannt sind die primitiven Felsmalereien, die etwa 7000 – 8000 Jahre alt sein sollen und die sich in zwei bis ca. sieben Meter Höhe befinden. Weder die genaue Herkunft, noch über die Menschen, die sie angefertigt haben, gibt es gesicherte Erkenntnisse, Vermutungen und Fantasien dagegen viele.

Und last but not least – eine Unterwasserwelt, die durch viel Plankton in der starken Strömung zwischen den ganzen Steinen  und Felsformationen zwar nicht so gut sichtbar war, wie an den vorherigen Schnorchelplätzen, aber dennoch atemberaubend vielfältig und bunt war. Die Unterwasserstars sind aber zweifellos die zahlreichen Delfine und die scheuen Riffhaie. Letztere bekamen die meisten von uns leider nicht vor die Taucherbrille.

Dieses vor Wellen geschützte Seegebiet vor der Ostseite der Insel Misool gehört definitiv zu den schönsten Wasserlandschaften des Planeten. Urzeitliche Naturkräfte und die Elemente Wasser, Wind in Kombination mit den biologischen Möglichkeiten  eines extrem fruchtbaren, immer warmen Klimas haben hier einen Mikrokosmos geschaffen, den man gesehen haben muss. Dabei fallen wie aus dem Bilderbuch gemalte Strände, die es zwischen einigen kleinen Felsen gibt, fast schon gar nicht mehr ins Gewicht. Leider

Diese heile Welt ist bis heute weitestgehend unentdeckt und intakt und sollte von zwei Dingen: Massen und Rucksacktourismus verschont

und interessierten, verantwortungsbewussten Individualisten vorbehalten bleiben, die nichts mitnehmen, außer Bildern im Kopf und die nichts hinterlassen außer Fußabdrücken im Sand. Wir nahmen uns an dieser Stelle eins vor, dass wir von Asiamar alles tun werden, um Menschen die Gelegenheit zu geben, dieses Paradies zu erleben, aber nur unter der Bedingung, dass sie uns unterstützen, es auch zu erhalten.

Wir wären gern länger geblieben und hätten die Inselwelt gern mit dem Kajak erkundet. Aber der tropische Himmel öffnete seine Pforten auf dramatische Art und Weise und schüttete Milliarden Liter Wasser über uns aus und außerdem warteten noch so viele Orte, die wir für Euch erkunden und daraus neue Reisebausteine formen wollten. Und leider ist selbst die schönste Arbeit . . .  Arbeit und kein Wunschkonzert!

Apropos Konzert – das gab es dann doch noch, am selben Abend. Eine musikalische Reise durch die Inselwelt Indonesiens. Aufgeführt auf dem Vorschiff der Ombak Putih, und voller Inbrunst vorgetragen durch die Crew des Schiffes. Und es zeigte uns einmal mehr, dass neben all den spektakulären Naturschönheiten, den unentdeckten Paradiesen, den atemberaubenden Landschaften die Menschen des indonesischen Archipels das Herz wirklich berühren . . .

 

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Misool Island

Sonnenaufgang, der nächste Versuch. Da wir uns nicht wirklich von unserer Mushroom Bay trennen wollten, ohne noch ein Paar echte „Angeberbilder“ mit viel Sonnenlicht für die Webseite und den Katalog geschossen zu haben, war der Plan für Samstag, es doch einmal um 05.45 Uhr mit dem Sonnenaufgang zu versuchen  und mit einem der Beiboote und den ersten Sonnenstrahlen bei stahlblauem Himmel unvergessliche Motive mit idealem Licht einzufangen.

Leider hatten wir den Plan ohne den Wettergott gemacht, der den Tag viel lieber mit bedecktem Himmel und Regen beginnen wollte. So fügten wir uns und fuhren zum eigentlichen Ziel des Tages, der Tomulol Bay weiter. Die Crew der Ombak Putih ging unglaublich weit vom Scheitel der Bucht vor Anker, denn diese ist fest in chinesischer Hand. Endlos scheinende Bojenfelder mit abertausenden Leinen und noch mehr Käfigen, prall gefüllt mit Austern versperren nicht nur den Weg zum Scheitel, sondern werden mit Militär und Hightec Equipment bewacht, um Zuchtperlen für den chinesischen und japanischen Markt  „herzustellen“. Von den unglaublichen Profiten kommt vor Ort leider fast nichts an. Die Arbeiter, die unter erbärmlichen Bedingungen zusammengepfercht auf dem Wasser inmitten der Bojenfelder in primitiven Overwater Camps leben und ohne Einhaltung ohne irgendwelcher Sicherheitsvorschriften unter Wasser arbeiten müssen sind nur eine traurige Seite der Medaille. Ebenso gehört dazu, dass diese „Massenproduktion“ von Perlen ökologisch katastrophale Folgen hat und den natürlichen Lebensraum der urbanen Tiere und langfristig auch der Menschen zerstört. Dass den chinesischen Betreibern die kulturellen Belange der Menschen vor Ort egal sind, ist dabei eigentlich nur eine weitere, traurige Randnotiz.

Unsere Meinung: Menschen können auf Pelze verzichten. Dasselbe gilt auch für Perlen und um es  komplett zu machen, nehmen wir Edelsteine gleich mit auf die Boykottliste, wenn sie mit Quecksilber oder anderen schädlichen Stoffen ausgewaschen werden.

Uns ging es um den Besuch eines echten Naturwunders, einer riesigen Tropfsteinhöhle, im Scheitel der Tomulol Bay. Für den Besuch dieser Höhle bedarf es der Erlaubnis der Einheimischen, eigentlich aber der Betreiber der Perlenfarmen und so stoppten wir mit den Beibooten an einem der Arbeitercamps, um zwei lokale Begleiter aufzunehmen.

Und schon die Einfahrt in den Fjord im Scheitel der Bucht hellte unsere Stimmung auf und die Lagunen im Fjord sind von solcher Schönheit, dass für uns klar ist, dass Tourismus ein fester Bestandteil zur Unterstützung der Menschen vor Ort werden muss, um dieses faszinierende Stückchen Erde nicht der skrupellosen Perlenzuchtindustrie zum Frass vorwerfen zu müssen.

Die Farben des Wassers, die Formen der kleinen Inselchen und Felsen im Fjord und zu guter Letzt die etwa 600 m lange und bis zu 30 m hohe Tropfsteinhöhle, an deren Eingang eine heilige Grabstätte wacht und die nur durchschwommen werden kann, sind von so unglaublicher Faszination und Schönheit, dass auch sie in die Rubrik „nicht von dieser Welt“ gehören. Und man hat dieses Paradies  unangetastet für sich.

Auf der Rückfahrt begegneten uns – wie auf Hintour auch – Delfine, die sich einen Spaß daraus zu machen schienen, vor und hinter uns zu spielen und immer, wenn die Kameras aufnahmebereit waren, abzutauchen und uns zappeln zu lassen. Wir genossen diese „Spielchen“ und verließen in einem tropischen Regensturm, der das Wasser waagerecht nur gallonenweise vom Himmel schießen ließ, die Tomulol Bay und damit auch die Insel Misool in Richtung Norden und damit tiefer in die Inselwelt von Raja Ampat.

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Pyianemo Island & Gam Island

Wieder einmal Sonntag und natürlich keine Pause, denn die Zeit rennt nicht nur sprichwörtlich. Vier neue Reiseprogramme, die nach den bisherigen Erlebnissen sinnvoll erscheinen, können eigentlich nur hier durchgeplant werden, damit Ihr in Zukunft nicht die Unwägbarkeiten das Paradieses, sondern das Beste in der optimalen Reihenfolge erleben könnt. Logistik klingt wenig romantisch, ist in diesem Teil der Welt aber der alles entscheidende Faktor. Den Rest erledigt das Paradies wie von selbst.

Nachdem das Gewittergrollen des letzten Abends aufgehört hatte, der Wind auffrischte und die Nacht sternenklar war, wuchs die Hoffnung, dass uns der Morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein begrüssen würde. Und was bekamen wir? Bedeckten Himmel und Regen . . . nicht der beste Start in den Tag, der das Foto Highlight der Tour werden sollte.

Von unserem Ankerplatz und damit von aussen betrachtet, wirkte Piyanemo Island (Hidden Island) weder besonders schön, noch besonders einladend. Schroffe, grauschwarze, hohe Felsen, spärlicher bewachsen als das, was wir bis jetzt kannten und schwarzblaues, tiefes Wasser bis an die Felsen.

Mit den Beibooten fuhren wir durch einen schmalen Eingang und was von außen wie eine Insel wirkte, präsentierte sich von innen wie ein löchriger Käse. Am einfachen Holzsteg angekommen, führten etwa 250 Stufen steil aufwärts. Oben angekommen präsentierte sich der löchrige Käse als einzigartige Konstellation aus Lagunen, kleinen Felsinseln,  Korallenbänken, weißen Stränden, sandigem Untergrund, tropischem Bewuchs – eine unglaubliche Komposition, die man mindestens einmal, eigentlich aber nicht oft genug im Leben gesehen haben kann, selbst bei schlechtestem Wetter.

Ein Ort zum Staunen, ein Ort, der alle Klischees tropischer Trauminseln bedient und ein Ort, an dem man eine Schönheit geniessen kann, die nur die Natur erschaffen kann.

Aber leider galt auch hier und das, obwohl Sonnenschein erst am Nachmittag zu erwarten war, weiterziehen, denn es lag noch viel vor uns. Auf der Rückfahrt zur Ombak Putih fesselte uns ein jagender Schwertfisch, der schlussendlich seine Beute zwischen den Zähnen hatte und dies bei einem mächtigen Sprung aus dem Wasser zeigte.

Die Crew  ging Anker auf und wir fuhren bis zum Westzipfel der Insel Gam, an dem ein Kanal die Hauptinsel von einer unbewohnten Mangroveninsel trennt. Im Kanal gingen wir inmitten dieses unberührten Naturparadieses vor Anker. Seeadler, Milane, Papageien im und über dem dichten Dschungel an beiden Seiten des Schiffes, intakte Mangroven soweit das Auge reicht und eine Unterwasserwelt mit riesigem Fischreichtum. Das war der Ort für den Nachmittag. Die Sonne zeigte mittlerweile ebenfalls, was sie am Äquator zu leisten vermag und machte unsere Rücken zu echten Wildwasserrevieren, weshalb die etwas zweistündige Entdeckungstour im Mangrovenkanal nicht nur eine willkommene, sondern dringend nötige „Erfrischung“ im 28 Grad warmen Wasser war. Danach hiess es schnell Anker auf und Fahrt zur letzten Station des Tages, der Einfahrt zu berühmten Kabui Bay  der Insel Waigeo.

Und als ob der heutige Tag nicht spektakulär genug war, legte die Sonne die Kür des Tages hin und bot uns im Zusammenspiel mit unglaublichen Wolkenformationen ein Sonnenuntergangsspektakel der Extraklasse. Dass aus diesen atemberaubenden Wolken mit dem Dunkelwerden der Regen tonnenweise ausgeschüttet wurde, konnte die Stimmung nicht mehr trüben. Was für ein Tag.

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Kabui Bay & Wallace Channel

Finstere Nacht, 04.30 Uhr am Morgen und zwei schreckliche Ereignisse. Wecker Klingeln und die freundlicher Erinnerung der Crew, dass wir uns für heute etwas vorgenommen hatten. Und irgendwie meinten es die Wolken des gestrigen Abends zu gut und schütteten sich weiter über uns aus. Mit den Schlauchbooten ging es in die Dunkelheit und nach genau zwei Sekunden führte sich der gestrige Versuch, unser Dschungel Outfit trocken zu bekommen, ad absurdum. Das Einzige was in den nächsten drei Stunden trocken bleiben sollte, waren die Kameras im wasserdichten Sack, ansonsten gab es  tropische Dusche und Wäscherei gratis.

Ziel der Bootsfahrt und anschließenden, etwa 45minütigen Dschungelwanderung – auch in tiefster Dunkelheit – waren zwei Beobachtungsstellen für den Roten Paradiesvogel. Diese einzigartige und faszinierende Vogelgattung kommt nur im austro-indonesischen Raum vor, oder genauer in einem ganz kleinen Teil Nordaustraliens, in Papua Neuguinea und auf den Molukken, wobei Indonesien mit ca. 90 –  95 Prozent der insgesamt 39 Arten den mit Abstand größten und auch fotogeneren Teil dieser fliegenden Exoten beheimatet.

Komplett vom Regen durchgewaschen erklommen wir die abenteuerliche „Beobachtungsplattform“ – einhundert Prozent umweltfreundlich und einhundert Prozent unsicher aus Bambus zusammengebunden und harrten der Vögel, die da kommen mögen. Und trotz des „Mistwetters“ hatten wir das riesige Glück insgesamt drei männliche Rote Paradiesvögel zu sehen und obwohl kein Weibchen zu sehen war, zeigten sie ihr so einzigartiges Verhalten:

  • Tanzrevier säubern
  • Federn reinigen
  • Tanzen

Was für ein Morgen und alle Strapazen waren vergessen, obwohl der Tag noch einige bereithalten sollen. Zunächst hieß es Anker auf und ein erneuter Versuch, die Klamotten in diesen Breiten trocken zu bekommen, was sich wieder als sinnloser Versuch herausstellen sollte.

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Die Ombak Putih wagte sich tiefer hinein in die riesige Kabui Bay, die einem Binnenmeer gleicht und irgendwann am Vormittag fanden wir uns an einem Eingang zum Wallace Kanal, benannt nach dem britischen Naturforscher, der hier seine Theorien zur Artenentwicklung und Evolution entwickelte. Dieser Kanal, der die Inseln Gam und Waigeo trennt, ist eine wilde Passage zwischen Kalk- und Vulkansteininseln, in denen man sich ohne perfekte Ortskenntnis komplett verliert und die einen paradiesischen Irrgarten bilden, in dem Nashornvögel, Kakadus, Papageien, Schildkröten, Haifische und eine unglaubliche Farbenpracht die Sinne in ihren Bann ziehen.

Auf unserer Erkundungsfahrt erregte eine simple Holzplattform hoch über einem Dschungelgipfel einer der hundert Eilande im Kanal unsere Aufmerksamkeit. Nachdem wir etwas Trinkwasser und neue Foto Batterien aufgenommen hatten ging es zurück und durch steile, scharfe Felsspalten, über Luftwurzeln und einen extrem steilen Pfad fanden wir den Weg zur Aussichtsplattform. Der Ausblick war einfach gigantisch und unsere Entdeckerfantasien, die beim Vorbeifahren geweckt wurden, fanden eine Realität, die diese weit übertraf. Ein Ort am Ende der Welt, so friedlich und einsam, nur Vögel, Dschungel und ein weiterer Mikrokosmos aus Inselchen und Felsen, der uns wieder einmal die Sprache verschlug.

Wieder einigermaßen unversehrt am Fuße des Berges angekommen, wurden die Risse in den Hosen und die kleinen Verletzungen gezählt, die dieser Erkundung als Opfer dargebracht wurden und alles, was in mühevoller Arbeit einigermaßen getrocknet war, sah aus wie frisch gewaschen und dies ohne einen Tropfen Regen. Das Paradies kann auch eine physische Herausforderung sein. Am Abend wurde nur noch der Ankerplatz gewechselt, um am nächsten Morgen einen noch schlimmeren Weckzeitrekord aufzustellen, aber davon morgen mehr.

Waigeo (Tapokreng) – Mios Kon – Yanbuba / Kri / Mansuar

Ein perfekter Tag – kann auch um 03.30 Uhr anfangen. Leichter Mondschein, das Kreuz des Südens am Nachthimmel und mit zwei Schlauchbooten entlang der unberührten Küste der Insel Waigeo, die sich nicht einmal als dunkle Silhouette abzeichnet. Plötzlich eine Kursänderung und im Licht der Taschenlampen erkennt man eine kleine Bucht, deren Schönheit erst bei Tageslicht sichtbar werden sollte.

Ein Sprung ins flache Wasser, den weichen Sand unter den Füssen und dann heißt es schlangenbissfeste Schuhe anziehen, denn es für etwa 60 Minuten wandern wir durch den dichten Dschungel Papuas zum ersten Höhepunkt dieses sehr jungen Tages. Um uns herum die Dunkelheit und die Akustik dieses Naturschauspiels, das sich Nacht für Nacht wiederholt. Der lautstarke Mix, den Nachtvögel, Insekten und Reptilien produzieren ist faszinierend. Die Gruppe kommt auf dem schweißtreibenden Marsch voran und vor den ersten Sonnenstrahlen erreichen wir den Beobachtungspunkt.

Ein weiterer Paradiesvogel, der kleine, extrem vorsichtige, dafür lautstarke und besonders farbenprächtige „Wilson Paradiesvogel“ ist das Ziel und für die nächsten 90 Minuten herrscht Schweigen im Unterstand.  Gut getarnt warten wir auf die Dämmerung und dann lässt sich ein Männchen an seinem angestammten „Schauplatz“ blicken. Akribisch entfernt er Blätter vom Urwaldboden und schafft sich so Raum für seinen Werbungstanz, denn es geht um sehr viel, die Braut für die nächste Paarung.

Zwei Weibchen kommen kurz an seinen Platz und beobachten kritisch seine Aktivitäten. Nach wenigen Sekunden ist die Entscheidung gefallen.  Die beiden Vogeldamen entscheiden, nach einem anderen „Helden“ Ausschau zu halten und fliegen davon. Er aber gibt nicht auf, macht sich noch intensiver bereit für einen möglichen Brauttanz, putzt „sein Heim“ noch intensiver und wirbt lautstark um Beachtung. Für uns und unsere Kameras ein Fest, für ihn am Ende eine Enttäuschung.  Heute wird sein Werben nicht belohnt, wir dafür umso mehr.

Mit der vollständig aufgegangenen Sonne verschwindet dann auch er in die Baumwipfel, aus denen sich seine eigenen Artgenossen, Nashornvögel und Kakadus lautstark bemerkbar machen.

Wir treten den Rückweg an und im Tageslicht übt der Dschungel Papuas seine Faszination noch einmal in voller Pracht aus und als sich das „grüne Wunder“  am Meer öffnet zeigt auch die einsame Bucht, an der wir angelandet waren, was Naturschönheit bedeutet. Schneeweisser Puderzuckerstrand, seichtes Wasser, tausende angespülte Muscheln, eingerahmt von schwarzen Felsen und der immergrünen tropischen Kulisse.

Aber dieser Tag gibt zum Abschied alles und wartet noch mit zwei Mini Inselgruppen auf, die einmal mehr nicht von dieser Welt zu sein scheinen.

Mios Krang ist über Wasser nicht viel mehr als ein dicht bewachsener Felsen mit einem schneeweißen Kasuarinen Strand. Unter Wasser ist dieser Felsen dann von Korallengärten umgeben, die weiter reichen, als man an einem Tag unter Wasser schnorcheln kann. Im gleißenden Sonnenlicht zeigte sich die ganze Farbenpracht und Vielfalt dieser betörenden Welt mit abertausenden Fischen. Kaum aus dem Wasser an Bord zurückgekehrt, wurde der Anker gelichtet und Kurs auf den optischen und Erlebnishöhepunkt des Tages gesetzt. Die Kontraste aus dem tiefen Blau des Pazifiks, den schneeweißen Stränden und dem grünsten vorstellbaren Grün von Kri, Yanbuba und Manunsar machten einfach nur stumm. Dann hieß es:  Köpfe wieder  ins Wasser, dieses Mal bei extrem starker Strömung zwischen den Inseln aber dafür auch mit einer einzigartigen Vielfalt aus Großfischschwärmen, Haien, Schildkröten und Muränen. Hier wurde klar, warum Raja Ampat zu den Top 5 der Tauchreviere weltweit gehört.

Aus den üblicherweise etwa 90minütigen Erkundungstouren im Wasser wurden fast drei Stunden, aber der spektakuläre und unvergessliche Höhepunkt erwartete uns hinter der Insel Kri. Das Wasser wurde immer seichter, die Farben wechselten von Blau über Grün bis Türkis in allen Schattierungen und vor uns ragten  Mini Sandinseln, etwa 30 cm hoch, aus feinstem, weißen Sand aus dem Wasser und bildeten die perfekte Kulisse für einen sehr emotionalen Abschied aus dem Paradies.

Diesen machte die Crew nach Rückkehr an Bord noch etwas schwerer. Man trieb uns wieder in die Beiboote um die Ombak Putih unter vollen Segeln als Fotomodell vor die Linse zu nehmen. Einfach unvergesslich. Dass sich auch die Sonne optisch in Höchstform verabschiedete und den Himmel brennen ließ, verkam fast schon zur Randnotiz.

Sorong – Makassar – Bali

Der Tag des Abschieds, aber auch des Anfangs. Und was gibt es da zu sagen.  Wir haben ca. 25 Inseln erkundet und sind voller neuer Ideen. Wir haben neue Partner vor Ort gefunden, um noch mehr Abenteuer und Entdeckerreisen, noch individueller und noch aufregender für Euch auszuarbeiten.

Aber noch liegen allein in dieser Region mehr als 400 Inseln unentdeckt und warten darauf, dass wir sie für Euch zugänglich machen. Wer würde da nicht am liebsten gleich weitermachen?

Zum Glück haben wir aber so viele „Neuheiten“ im Gepäck, dass wir auch gar nicht mehr warten können, Euch diese vorzustellen und deshalb geht es jetzt erst einmal Stück für Stück zurück. Aber nicht, ohne unseren Raja Ampat Sticker als Beweis für diese  einzigartigen Entdeckungen mitzubringen und natürlich auch nicht ohne über 5.000 Fotos, von denen wir Euch hier schon ein paar zeigen.

Was ist aber die wichtigste Erkenntnis für die Zukunft? Aus unserer Sicht Folgendes:

Verantwortungsvoller Individualtourismus, der die Einheimischen einbindet, bringt zwar Veränderung, aber er erhält mehr und schafft Wertschätzung für die Umwelt und das Erbe, das es  zu bewahren gilt. Und er schützt die Umwelt vor Zerstörung. Und genau dieser Maßstab gilt für alle unsere Reiseangebote in dieser einzigartigen, aber euch zerbrechlichen Region, die zweifellos zu den aufregendsten des Planeten gehört.

Vom neu gebauten Flughafen Sorong  flogen wir mit Garuda Indonesia (im Inland absolut zu empfehlen) über Makassar nach Bali, um dort am nächsten Tag intensiv mit unseren Kollegen alle Zukunftsplanungen zu koordinieren.

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Bali

In dieser Vorweihnachtszeit zeigt sich auf der Götterinsel, wie fragil Tourismus ist, weil er leider allzu oft auch Spielball von oft nicht ehrlichen  Interessen ist.

Was ist passiert? Einer von hunderten, aktiven Vulkanen in Indonesien, der Gunung Agung hatte im November das gemacht, was Experten von ihm erwartet hatten. Er hatte Magma aus seinem Inneren freigegeben, Asche, Rauch und Wasser in die Luft  geschickt und für 3 Tage zur rein vorsorglichen Schließung des Flughafens Bali geführt. Offenbar die Sensationslust der massenmedialen Welt machten aus diesen eher völlig alltäglichen Vorgängen ein Ereignis, das Bali als Katastrophenzone erscheinen ließ, während die Menschen auf der Götterinsel sich damit beschäftigten, perfekte und herzliche Gastgeber zu bleiben und den Menschen zu helfen, die vorsorglich von den Hängen des Vulkans evakuiert worden waren.

In der Welt der Medien waren dagegen fast 60.000 Menschen gestrandet und es konnte der Eindruck entstehen, dass es sich dabei ausschließlich europäische und amerikanische sowie australische Besucher handelte und alle ums nackte Überleben kämpfen mussten und ihre Heimat vielleicht nie wiedersehen würden. Die Wahrheit, dass nur wenige hundert ihre Flüge verschieben / verändern mussten und viele auf Kosten der Hotels auf Bali weiter die herzliche Gastfreundschafft genießen konnten, durfte dabei schon mal untergehen.

Sehr lesens-, auf jedem Fall sehr nachdenkenswert, falls einmal wieder Hysterie ausbricht ist der Artikel der TAZ: http://www.taz.de/!5463962/

Und für alle, die immer noch gern an nicht vorhandene Katastrophen glauben, hier der 7 / 24 Zugang zum live ergötzen: https://www.youtube.com/watch?v=jQnh4Ly1Xpc

Unsere Kollegen flogen mit gemischten Gefühlen zurück. Gemischt deshalb, weil Nachrichten leider nicht immer das sind, was sie sein sollten: objektiv und neutral.

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