Zwischen Sundasee & Polynesien Teil 1

Zwischen Sundasee & Polynesien Teil 1

– Ein Meeresabenteuer, das selbst ein brodelnder Vulkan nicht überschatten konnte –

Eigentlich sollte diese Reise ganz im Zeichen dieser einzigartigen Seereise zu entlegenen Inseln und vergessenen Orten längst vergangener Jahrhunderte stehen. Der Agung Vulkan auf Bali schien aber einen anderen Plan mit uns zu verfolgen und wollte offenbar beweisen, dass aufregende Reiseerlebnisse in Asien nicht automatisch nur an ganz entlegenen Orten entstehen können. Nach wochenlangem „Grummeln“ zeigte der heilige Agung dann Ende November, was alle Pessimisten von ihm sehen wollten, Asche, Magma, Wasserdampf . . .

Und so bekamen wir schon auf Bali die einzigartige Gelegenheit, dieser urzeitlichen Naturgewalt beiwohnen zu dürfen. Allerdings hatten wir dadurch auch das mehr als zweifelhafte Vergnügen, die medialen Untiefen der Vulkanberichterstattung zu erleben und so wurden wir durch Online Nachrichten- und Zeitungswebseiten aus 13.000 km Entfernung darüber aufgeklärt, wie verzweifelt die Lage auf der Insel gerade war, auf der wir völlige Normalität erlebten.

Und selbst die von britischen Panikmachern ausgemachten 58.000 (mindestens) gestrandeten Urlauber waren einen Tag nach Wiedereröffnung der Flughäfen und ca. 3.500 beförderten Ausländer später wie von Geisterhand verschwunden. Wir haben dem Agung gedankt und sind, anders als geplant, nicht über Makassar, sondern über Surabaya nach Ambon geflogen und waren wie geplant am 02.Dezember im wohl bekanntesten Ort der Gewürzinseln, wie die Molukken auch genannt werden. Und hier beginnt unsere Geschichte.

bild 1

Bild 2-2

Ambon

Ein altes holländisches Sprichwort sagte vor etwa 400 Jahren, dass auf den Spice Islands das Geld sprichwörtlich an den Bäumen hängt. Inspiriert von vielen – romantischen – Geschichten aus der Vergangenheit, ist es schon länger unser Plan, diese Region mit sinnvollen Reiseideen für unsere Gäste interessant zu machen.

Leider verhinderten tragische Ereignisse in den Jahren 1999 / 2000 eine strukturelle Entwicklung. In diesen zwei dunklen Jahren der Geschichte zündeten vormals friedlich miteinander lebende Nachbarn sich gegenseitig die Häuser an, erschlugen sich gegenseitig, steckten Kirchen und Moscheen in Brand und ließen auch sonst nichts unversucht, um aus Ambon Stadt und den Dörfern ein Bürgerkriegsgebiet zu machen. Und der Grund?

Religiöser Fanatismus auf Seiten der Christen und Moslems, selbsternannte Heilbringer und Botschaftsverkünder stürzten die sonst so friedlichen, fröhlichen und herzergreifend lieben Menschen in eine Tragödie. Es dauerte bis 2012, bis die Wunden verheilt waren, aber der Rückschlag war gigantisch.

Heute sind sowohl in Ambon Stadt, dem wichtigsten Eingangstor zu den Molukken, als auch in den Dörfern der Insel die Wunden verheilt, aber Ambon Stadt selbst ist optisch ungefähr so attraktiv wie eine Betonblock. Dafür sorgten allerdings Japaner und Alliierte im Zweiten Weltkrieg, der den kolonialen Charme der Holländer wegbombte. Bis auf die Franziskuskirche und den Ehrenfriedhof der Gefallenen gibt es nicht wirklich etwas zu sehen. Unser Hauptfotomotiv waren die Fahrradrikschas und etwas, was uns die nächsten Tagen immer wieder überwältigen sollte, die herzlichen Menschen . . .

Ambon City – wir kommen. Das war der Plan. Was wir nicht ganz bedacht hatten, dass in diesem Teil der „christlichen Welt“ der Sonntag noch wirklich heilig ist. Und so war in der Umgebung unseres Hotels nahezu alles geschossen, ausser eine Apotheke, die wir allerdings auch dringend benötigten.

Wir entschieden uns für herumstreifen. Das „Stadtzentrum“ ist überschaubar und auch nicht wirklich attraktiv. Neben den schon erwähnten und wirklich  auffälligen und fotogenen Fahrradrikschas, die einem auf Schritt und Tritt begegnen, ist das chaotisch lebendige Hafenviertel (Achtung nichts für Hygienefanatiker) auf jeden Fall einen Streifzug wert. Aber wirklich einzigartig sind die „Duftshops“ – in denen angebliche Luxusparfüms aus riesigen Flaschen oder Kanistern in Haushaltsmengen nach Wahl abgefüllt werden. Hier spürt man das erste Mal die Nähe zu den Gewürzen und Düften der Welt, die Namen an den Kanistern klingen nach weiter Welt, die Düfte sind eher sehr regional . . .

Am Nachmittag waren wir dann aber sehr brav und folgten der lokalen, christlichen Gemeinde zum Gottesdienst in die Franziskus Kathedrale von Ambon, die immer einen Besuch wert ist, in Verbindung mit einem Gottesdienst aber auch für weniger religiöse Gemüter ein Muss.

Bild 10-1

bild 3

bild 4-1

Ambon & Cruise

Die Rezeption unseres – sehr mittelmäßigen – Swissbelhotels war für 09 Uhr als Treffpunkt auserkoren worden, um dann zur Ombak Putih zu fahren, dem 40 Jahre alten Holzsegler, der uns in den kommenden Tagen durch den vergessenen Teil der indonesischen Inselwelt bringen sollte. Die übrigen Mitreisenden – Holländer und Amerikaner – fanden sich auch ein und um Punkt 09 Uhr erfuhren wir, dass die Ombak Putih nicht auslaufbereit war, da am Sonntag in Ambon auch kein Hafenamt gearbeitet hat und kein Bunkern von Wasser und Diesel möglich gewesen sein soll . . .

Guter Einstand, aber die Crew machte  das Beste daraus und so kamen wir in den kommenden fünf Stunden in den Genuss einer wirklich eindrucksvollen Ambon Inseltour, die man jedem nur empfehlen kann.

Fort Amsterdam, Gedächtniskirche, lachende Kinderaugen, Nelken und Muskatnuss, eine fast 600 Jahre alte Moschee, die durch übernatürliche Kräfte über Nacht ihren Standort verändert haben soll und unglaublich fröhliche, kamerafreundliche Menschen und fesselnde Geschichten aus der Vergangenheit bescherten uns eine kurzweilige und extrem informative Tour. Die wichtigste neue Redewendung war dabei: „Bole Foto“ – auf den Molukken unbedingt nötiges Vokabular.

Nach unserer Rückkehr in die Stadt ging es dann auch direkt in den Hafen und auf den Phenisi Schoner und dann ging alles auch ganz schnell und unsere Erkundungstour in unbekannten Gewässern begann.

bild 4-3

bild 4-4

Bild 5-3

Manipa Island

Nach unserem ersten Sonnenuntergang an Bord, versuchten uns unsere Mitreisenden auf den angeblich viel spektakuläreren Sonnenaufgang neugierig zu machen. Das gelang genau bis zu dem Punkt, an dem die Zeit ins Spiel kam. Früh aufstehen hiess für die meisten an Bord 05.30 Uhr. Nicht mit uns, das war klar und so verpassten wir den ersten Sonnenaufgang, was sich eher als Glücksfall, denn als Nachteil herausstellte. Denn vom bedeckten Morgenhimmel bekamen wir so gar nichts mit. Uns bot sich eine  wildromantische Bucht eingebettet in von endlos vielen, komplett intakten Mangroven in denen die Menschen nach jahrhundertealten Traditionen mit Speeren fischten oder Netze auswarfen. Um das paradiesische Bild zu komplettieren, segelte ein Adler über die Bucht.

Aber wir waren ja zum Arbeiten hier, nach ungefähr 100 Fotos in alle Richtungen des Ankerplatzes begann der Teil des Tages, der Grund für die Anreise nach Manipa Island war: die Menschen, das Leben, die Traditionen sowie die Flora und Fauna von Manipa Island, einer kleinen, vergessenen Insel  am Ende der Welt.

Wie vergessen die Insel bis heute ist, erklärte uns Arie, unser indonesischer, unersetzlicher Tourbegleiter, plakativ  mit der Antwort auf die etwas provokante Frage, was wir tun, wenn wir krank sind . . .

Ohne die Antwort abzuwarten, gab es auf der 300 Meter langen, durch die Sümpfe gebauten provisorischen Pier die Erklärung, wie es an diesem Ende der Welt abläuft.

Der Dorfälteste stellt sich mit einem UKW Handfunkgerät an die Spitze des Stegs und versucht mit einer irgendwann vorbeifahrenden Fähre in der Ferne Funkkontakt zu bekommen. Und mit viel  Geduld und Glück landet dieses oder ein von ihr benachrichtigtes Schiff dann am Dorfpier an. Und ebenso wird verfahren, wenn auf einer der Nachbarinseln eingekauft oder etwas verkauft werden soll . . .

Telefon,  Internet sind Dinge aus einer anderen Welt, die die Menschen auf Manipa aus dem Satelliten Fernsehen kennen, das auch diesen Teil der Erde dank Elektrizität erobert. In dieser so reinen Abgeschiedenheit wirken die bunten Superman- und Fußballshirts vom FC Barcelona der Kids fast wie schräge Satire aus einer anderen Galaxy.

Auf diesen Inseln wächst kein Reis, Nahrungsgrundlage ist Sago, Manjok, Papaya, Bananen sind allgegenwärtig. Dazu Guaven und Kokosnuss und natürlich Nelken und Muskatnuss.

Das von uns besuchte Dorf stellt aber etwas her, wonach die Crew des Schiffes und halb Indonesien ganz verrückt sind. Hochreines und einhundertprozentiges Manipa Eukalyptusöl wird auf ganz traditionelle Weise in einfachsten Destillerien im Rauch von Erdfeuerstellen und unter Palmstrohdächern gewonnen und gilt als Heil- und Hilfsmittel für und gegen alles. Wir spürten, dieser Teil Indonesiens ist noch einmal eine Welt ganz für sich. Und dieser Eindruck sollte an jedem noch kommenden Tag bestätigt werden.

Am eindrucksvollsten waren aber auch hier die Menschen, ihre Herzlichkeit, Offenheit und Neugier an allem Fremden. Glückliche  Menschen, die Werte nicht in Geldbeträgen messen und die täglich beweisen, dass das, was wir Probleme nennen, allzu oft lächerliche Einbildung verwöhnter, egoistischer und verweichlichter Menschen sind, die den Bezug zu den wahren Herausforderungen der Welt verloren haben.

Diese Erfahrung sollte uns die gesamte Reise begleiten und ist Grund genug, Manipa und die vergessenen Inseln zu besuchen. Mit diesen Erlebnissen und ganz großen Erwartungen im Gepäck traten wir die nächste, lange See-Etappe an. Ziel Boano Island und ein weiterer,  farbenprächtiger Sonnenuntergang verabschiedete den Tag.

Bild 5-4

Bild 6-1

bild 6-4

Boano Island

Der nächste Morgen war gleichzeitig der nächste Versuch unserer Mitreisenden, einen aufregenden Sonnenaufgang zu erleben, was allerdings genauso zum Scheitern verurteilt war, wie am Tag zuvor. An diesem Tag kam ein weiterer Grund hinzu. In der Nacht schaukelte die Ombak  Putih unaufhörlich, denn die kleine Insel gegenüber von Boano Island, hinter der die Crew vor Anker gegangen war, bot zu wenig Schutz und durch den eigentlich als Ankerplatz auserkorenen Kanal zwischen zwei Inseln pfiff der Wind so stark, dass die Crew sich für den Platz an der Insel entschied.

Wir hatten uns vom Schwell in den Schlaf schaukeln lassen und waren um 07.30 Uhr zwar wieder bei den letzten, aber selbst das war zu früh, da sich die Sonne an diesem Morgen noch nicht zeigen wollte. Dies aber nur, um ab etwa 09 Uhr mit äquatorialer Kraft alles zu geben und zu zeigen, was in ihr steckt. Zu genau dieser Zeit landeten wir in einem kleinen Dorf auf Boano Island an.

Es war Ebbe, die Dorfbewohner trieben in der Lagune die Fische vor sich her, um den gemeinsam den Fang einzubringen. Wir wateten durch das flache Lagunenwasser, um an Land zu gelangen, vorbei an fischenden Kids, farbenprächtigen Seesternen im nur zentimetertiefen Wasser und begegneten einer Seeschlange, die froh zu sein schien, von uns in Ruhe gelassen zu werden.

Auch in diesem Teil der Molukken war das Lachen nicht aus den Gesichtern der Menschen zu bekommen. Jedes Foto wurde bejubelt und eine unfassbare Erinnerung jagte die andere.

Es bleibt zu hoffen, dass der Versuch, dies auf Fotos festzuhalten gelungen ist, aber selbst das beste Bild kann die Atmosphäre, wie wir sie auf Boano Island erlebten, nicht wiedergeben. Aber seht einfach selbst.

Damit nicht genug. Die kleine Insel, vor der unser Schiff vor Anker lag, entpuppte sich im gleißenden Sonnenlicht als ein Traum über und unter Wasser, ein Puderzuckerstrand aus dem Bilderbuch, das Grün der Palmen saftiger als jede irische Wiese und das Blau darum herum ein Blau in allen Schattierungen der Farbskala und dazu eine Unterwasserwelt, der uns ganz spontan ein „WOW“ entlockte.

Nachdem wir über Wasser als Entdecker unterwegs waren, war die Zeit gekommen, die marine Flora und Fauna zu erkunden. Die Erwartungen waren hoch, da die Gewässer um die Molukken und um Westpapua (früher Irian Jaya) als die artenreichsten und klarsten in jeder Hinsicht gelten. Und wir wurden nicht enttäuscht, Hart- und Weichkorallen aller Farben, Größen und Schattierungen, steile Felskanten und ein „Inselriff“ mit abertausenden Fischen, Garnelen, Langusten und als Highlights eine riesige Muräne und eine Seeschildkröte. Mehr Nikolaus geht einfach nicht.

bild 7-2

bild 7-3

bild 8-2

Seram Island – Sawai Village

Nachdem uns die Crew in einer nächtlichen Doppelschicht an das nördliche Ende der riesigen Insel Seram gebracht hatte, fiel am Donnerstag kurz nach 07 Uhr der Anker in einer weiten Bucht, direkt vor dem traditionellem Dorf Sawai, das zumindest teilweise noch ganz ursprünglich auf Pfählen gebaut ist und von dem Zugang zum National Manasela von Norden aus besteht. In drei bis vier Stunden kann man durch den vollständig unberührten Primärwald an dieser Stelle von Nord nach Süd wandern. Ein Aufstieg zum Berg Binaia, der mit 2527 m der höchste Berg in den Molukken und ebenfalls Teil des Nationalparks ist, erfordert dann aber noch einmal deutlich mehr extra Zeit. In den Flüssen des Nationalparks tummeln sich heute noch urzeitliche und furchteinflößende Krokodile, die aber dennoch nicht für den Namen der Insel verantwortlich ist.

Seram bedeutet etwas frei übersetzt die „Insel der Furcht“  und er kommt von der heute offiziell nicht mehr existierenden Gruppe  der Kopfjäger. Von drei einheimischen Dschungelführern begleitet, ging es für uns durch dichten Primärwald. Anders als z.B. auf Sumatra gibt es auf den Molukken keine größeren Säugetiere und auch keine Affen und von den seltenen Baumkängurus bekamen wir keins zu sehen. So begnügten wir uns mit drei riesigen Nashornvögeln, die weit über unseren Köpfen hin und herflogen und sich über uns lustig zu machen schienen.

Unser Dschungel Trekking endete an einem gut gemeinten, aber wie wir fanden, schlecht gemachten Projekt zweier Amerikaner. Sie hatten sich vor Jahren das Ziel gesetzt, gefangene und verletzte Kakadus und Papageien zu pflegen, an die Freiheit zu gewöhnen und dann wieder auszuwildern. Bei unserem Besuch war davon nichts zu sehen und wir fanden den Zustand eher erbärmlich als lobenswert. Für uns leider eines von vielen Privatprojekten, das offenbar aus einer Laune heraus entstand und dem eine Vision und vor allen Dingen die nötige Ernsthaftigkeit fehlt.

Ursprünglich war noch ein zweiter Erkundungstag rund um Sawai geplant. Dieser wurde aber zugunsten eines Tages mehr in Raja Ampat geopfert, was sich schon am nächsten Tag glänzende Idee erweisen sollte.

bild 8-6

bild 9-1

 


Die Kommentare sind geschloßen.